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Initiativen verbindet die Leidenschaft für den Wein

Rhein-Zeitung vom 29. April 2013

Gastbeitrag: Gruppen sollen mehr als Verbündete wahrgenommen werden
von: Ursula Mogg


Leidenschaft für WeinLandauf, landab werden in diesen Tagen die 2012er Weine vorgestellt. Wenn der junge Wein im Glas steht – und mundet – sind die Mühen vergessen, die die Entstehung in den Steillagen der Flusstäler begleiten: schneiden, biegen, hacken, die Verteidigung von Pflanze und Frucht gegen Krankheiten, Vogelfraß und widrige Witterungseinflüsse.

Ebenso wie für die Profis an Rhein und Mosel, die auf einen soliden Kundenstamm blicken, ihre Fans haben, nationale und internationale Anerkennung genießen, ist die Zeit spannend für alle, die in ihrer Freizeit der Leidenschaft für den Wein nachgehen: sie wollen selbst einen Wein von guter Qualität produzieren, Akteure in einem der traditionsreichen und landschaftlich privilegierten Weinanbaugebiete der Erde sein.

Wer die Medien aufmerksam verfolgt, der stellt fest, dass es eine wachsende Zahl von Initiativen gibt, die sich der Aufgabe stellen. Einige Beispiele – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Die „Lehmer Razejungen“ schulen „Grundkenntnisse und spezielles Fachwissen über den Weinbau und den Wein“ im „Lehmener Würzlay“. Sie pflegen das Brauchtum und leisten so „einen Beitrag zur Weinkultur in und außerhalb des Weinortes Lehmen.“

Die „Weinkulturlandschaft Mosel … erhalten und beleben“ wollen die „Weinfreunde Königinnenwingert“ in Oberfell. „Der Verein freut sich über heimatverbundene Menschen, die sich … für das Vorhaben zur Erhaltung der Weinkulturlandschaft einsetzen“.
In der direkten Nachbarschaft in Niederfell pflegt die Mönchsberger Weinbruderschaft ihren Wingert.

Die „Weinbruderschaft Brey“ widmet sich mit großer Leidenschaft der Wiederbelebung einer alten Weinberglage. Im Jahr 2005 wurde der gemeinnützige Verein gegründet, „um den letzten aufgelassenen Weinberg in Brey … zu rekultivieren“. Der Verein stellt stolz fest: „In Brey am Rhein wird wieder Riesling angebaut – Dank der Weinbruderschaft Breyer Hämmchen“.

Die Universität Trier hat die Patenschaft über zwei Weinbergparzellen übernommen. Fazit: Das Interesse ist groß!

Hinzuweisen ist auch auf die Aktivitäten der Winzergenossenschaft Bornich an der Loreley. Kunst und Wein, Jazz im Winzerkeller, der Gemeinschaftsweinberg, Winzer sein auf Zeit, gehören zum Angebot.

Was treibt all diese Initiativen an? Was verbindet sie? Zweifelsohne die zitierte Leidenschaft für ein Naturprodukt!  Die wollen die Arbeit im Weinberg, die Kunst des Weinmachens, vom ersten bis zum letzten Schritt erleben. Das ist Ausgleich zum Berufsalltag. Antrieb ist aber auch der aufmerksame Blick in die Täler  von Rhein und Mosel: der traditionelle Steillagen-Anbau, der die Landschaft seit Jahrhunderten prägt, ist in Gefahr. Die Arbeit ist beschwerlich, der Einsatz von Maschinen nur eingeschränkt möglich; wirtschaftliche und politische Entwicklungen, die „einfache“ Flächen im Blick haben, lenken die Aufmerksamkeit auch auf den Wirtschaftszweig „Tourismus“. Wer Urlaub an Rhein und Mosel macht, möchte beim Genuss des Weines einen Blick auf die Flächen richten, auf denen er produziert wird. Das ist kostbar!
So verbinden die Initiativen Trotz und Bürgersinn. Darum pflegen sie Schulprojekte, um die traditionellen Arbeitstechniken an die nächste Generation weiter zu geben. Lokale und regionale Identität wird modern interpretiert. Sie „bieten Neubürgern die Möglichkeit zur schnellen Integration vor Ort“ (Lehmer Razejungen). Darum setzen sie ihre „links“ bei den Traumpfaden, dem Rheinsteig, dem Jakobsweg, dem Weinwandern, kulturellen Initiativen vor Ort. Darum vernetzen sie sich mit lokalen und regionalen Anbietern von Naturprodukten und Bewegungen wie „slow food“. Darum werden sie von den Profis als Bündnispartner im wohlverstandenen Eigeninteresse gerne unterstützt und beraten.

Bleibt schließlich die Frage nach dem weiteren Handlungsbedarf. Sicher wäre es sinnvoll, wenn sich die Initiativen untereinander vernetzen würden. Das nach wie vor männlich dominierte Feld muss sich ein weiblicheres Image geben. Diese Botschaft wird auch über die Sprache transportiert. Die Weinbrüder haben auch -schwestern! Gelegentlich quälend ist manche bürokratische Vorgabe! Die Initiativen sollten mehr noch als bisher als eigenständige Akteure und Verbündete für den Erhalt der Kulturlandschaft wahrgenommen werden. In den Strategien für die Zukunft (z.B. DLR Mosel) sind sie bisher bestenfalls indirekt zu finden.







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